Wie der Kulturverein der Gehörlosen bei der Kommunikation hilft

Proben für den Ernstfall: (v. l.) Malteserin Rosemarie Knüttel übt mit der Gehörlosen Annette Tuckermann und ihren Kollegen Kevin Hübner und Tobias Peuser den Ablauf einer Rettungsaktion. Dolmetscherin Sandra Hoppe (r.) unterstützt bei Verständnisproblemen. | © Corinna Vullhorst

Verständigung in Gefahrensituationen entpuppt sich oft als problematisch. Wie die Hemmschwelle zwischen Gehörlosen und Hörenden überwunden werden kann

Hövelhof-Espeln. Sich ohne den Gehörsinn im Alltag zurechtzufinden stellt für die Betroffenen nicht selten eine Herausforderung dar. Das betrifft unter anderem auch die Kommunikation zu den Mitmenschen, die sich oft schwierig gestaltet.

„Es gibt immer noch diese gewisse Hemmschwelle zwischen Gehörlosen und Hörenden. Diese Barriere zu überwinden, ist unser Ziel“, kommentiert Veranstalterin Stefanie Schmidt von den Maltesern Borchen, sie selbst ist seit ihrer Geburt taub. Um Gehörlosen und auch ihrem Umfeld die Angst vor Interaktion zu nehmen, veranstaltete der Kulturverein der Gehörlosen Paderborn und Umgebung ein Zusammentreffen unter dem Motto „Blaulicht“, bei dem Gehörlose und Angestellte des Rettungsdienstes miteinander in Verbindung treten konnten.

Am Bürgerhaus Espeln fanden sich die freiwillige Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk (THW) und die Malteser ein, um den Umgang mit Gefahrensituationen zu besprechen und Fragen rund um das Thema „Blaulicht“ zu beantworten. Dolmetscher unterstützten dabei die Kommunikation zwischen Rettungskräften und Gehörlosen.

„Mit Händen und Füßen kann eigentlich jeder reden“, bemerkt Schmidt, „es sind meistens Scham und die Angst, missverstanden zu werden, die viele vom Gespräch abhält.“ Nicht nur in alltäglichen Situationen stehen Gehörlose vor Erschwernissen, auch die Verständigung in Gefahrensituationen entpuppe sich oft als problematisch.

„Wir wissen im Vorfeld ja nicht, dass der Patient gehörlos ist, wenn er nicht ansprechbar ist“, so Kevin Hübner von den Borchener Maltesern. Da die meisten Menschen ohne den akustischen Sinn auch nicht sprechen können, kann der Rettungshelfer in solchen Situationen oft nur erahnen, was dem Patienten fehlt.

Angebote oder Schulungen für Rettungsdienstpersonal, um auf solche Fälle vorzubereiten, gebe es derzeit allerdings noch keine. Auch das Absetzen eines Notrufes ohne telefonieren zu müssen, war bisher nur durch Apps möglich, die ihre Benutzern bis zu zehn Euro monatlich kosteten. Erst seit kurzem steht als kostenlose Alternative die „Defi“-App vom Bayrischen Roten Kreuz zur Verfügung, mit deren Hilfe man mit wenigen Klicks ein Notruf-Fax an die Rettungsstellen absenden kann.

Umgekehrt müssen auch Gehörlose Hilfe leisten, wenn es die Situation erfordert. Und wie kommuniziert man mit einer hilflosen Person, wenn man sie nicht versteht? Wie überprüft man die Vitalzeichen, wenn man die Atmung nicht hören kann? „Wir haben bereits vier Erste-Hilfe-Kurse für taube Menschen angeboten, die sehr gut besucht waren“, äußert sich Veranstalterin Schmidt, aber es sei noch ein langer Weg bis zum Ziel, einen gehörlosen-gerechteren Alltag zu schaffen.

Corinna Vullhorst
19.06.2018 | Stand 18.06.2018, 19:30 Uhr
Quelle: https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/hoevelhof/22168986_Wie-der-Kulturverein-der-Gehoerlosen-bei-Kommunikationsproblemen-hilft.html

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