Stefanie Schmidt will Gehörlosen Paderbornern mehr Teilhabe ermöglichen Hilfe für Herzensprojekt gesucht

Stefanie Schmidt ist von Geburt an taub. Doch die 35-Jährige will sich Gehör verschaffen für die Anliegen gehörloser Menschen. Dafür sucht sie Mitstreiter und Räumlichkeiten, in denen ein Stammtisch und ein Kulturzentrum etabliert werden können. Foto: Besim Mazhiqi

Von Maike Stahl

Paderborn (WB). Gehörlosen Gehör zu verschaffen, hat sich Stefanie Schmidt zum Ziel gesetzt. Die 35-jährige Borchenerin wünscht sich außerdem eine bessere Teilhabe für taube Menschen. Für beides hat sie jede Menge Ideen und wünscht sich Mitstreiter und Unterstützung, um ihre Ideen umzusetzen zu können.

Stefanie Schmidt, die selbst seit ihrer Geburt taub ist, beherrscht nicht nur die Gebärdensprache, sie ist auch eine sehr gute Lippenleserin und spricht die deutsche Lautsprache. Das eröffnet der zweifachen Mutter Möglichkeiten, die andere Gehörlose nicht haben. Deshalb will sie zwischen Hörenden und Gehörlosen vermitteln und tut dies auch schon in vielen Belangen. »Allein kann ich aber nicht viel bewirken. Deshalb wünsche ich mir ein Netzwerk. Ein Stammtisch von Menschen, die ehrenamtlich als Gebärdendolmetscher tätig werden können, wäre ein guter Anfang«, sagt sie.

Es gibt nicht sehr viele Gebärdendolmetscher

Denn bei Behörden oder vor Gericht stehen Gehörlosen zwar ausgebildete Gebärdendolmetscher zur Verfügung, oft gebe es aber eben auch kleinere Verständnisschwierigkeiten im Alltag. »Erstens gibt es nicht sehr viele Gebärdendolmetscher, und dann will man ja nicht gleich 75 Euro bezahlen, nur um sich einen Brief erläutern zu lassen«, sagt die Borchenerin. Denn viele taube Menschen hätten Schwierigkeiten mit der Deutschen Schriftsprache. »Das ist wie eine Fremdsprache für uns, da die Gebärdensprache mit einer vereinfachten Grammatik etwas anders aufgebaut ist.« Erschwerend komme hinzu, dass sie sich diese Fremdsprache nicht über das Zuhören aneignen können. »Deshalb haben viele Gehörlose Probleme, zum Beispiel amtliche Briefe richtig zu verstehen und beantworten«, berichtet Stefanie Schmidt. In solchen Fällen will sie den etwa 300 bis 400 Gehörlosen unbürokratische Hilfe bieten.

»Im Kleinen in meinen Umfeld mache ich das, aber es wäre schön, wenn wir mehr wären.« Zumal auch Veranstalter unbürokratisch und niederschwellig auf das Netzwerk zurückgreifen könnten, um Gehörlosen bessere Teilhabe zu ermöglichen. Bei der Stadt Paderborn hat sich die Koordinierungsstelle für Inklusion und Integration seit Juni 2013 der Thematik angenommen, um die Kommunikation zwischen Gehörlosen und hörenden Menschen bei Veranstaltungen sicherzustellen.

Stefanie Schmidt arbeitet seit 19 Jahren als Rettungssanitäterin

Ein perfekter Ort für einen Stammtisch, aber auch andere Veranstaltungen, ein Gehörlosen-Museum und das Büro der Bundesvereinigung für Kultur und Geschichte Gehörloser (Kugg), für den sie sich ebenfalls engagiert, ist aus ihrer Sicht die denkmalgeschützte ehemaligen Taubstummenanstalt in Büren, die der Landschaftsverband an die Stadt übergeben hat. Wenn es eine feste Anlaufstelle gäbe, wäre einiges möglich, ist Stefanie Schmidt überzeugt. »Dort könnten auch Gehörlose und Hörende zusammenkommen. Denn aus Unwissenheit gibt es oftmals Vorbehalte«, sagt sie. So würden Gehörlose leider oft als dumm eingeschätzt, weil sie sich in der Lautsprache nicht so gut ausdrücken können.

Die Bundesvereinigung hat gerade erst in Kooperation mit ihrem Ableger für Paderborn und Umgebung (Kugepu) das 25-jährige Bestehen in Paderborn gefeiert. Als Referentin war auch Stefanie Schmidt in die Veranstaltung eingebunden. Denn die 35-Jährige ist als Rettungssanitäterin seit 19 Jahren ehrenamtlich für die Malteser in Borchen tätig. Unter anderem führt sie Erste-Hilfe-Kurse in Gebärdensprache durch, die sich großer Beliebtheit erfreuen, da Gehörlose in den üblichen Kursen wichtige Inhalte oft nicht mitbekämen. Auch mit den Rettungsdiensten, Notfallseelsorgern und Polizei arbeitet Schmidt zusammen. »Das ist mir eine Herzensangelegenheit.« Für das Wochenende der Bombenentschärfung im Frühjahr hat sie ihren Urlaub abgebrochen, um als Dolmetscherin einzuspringen. In der Seniorenbetreuung ist sie ebenfalls tätig. »Das ist so wichtig, aber alleine nicht zu schultern«, hofft sie auf Mitstreiter. Interessierte erreichen Stefanie Schmidt per E-mail unter info@steffis-dgs.de

Quelle: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Paderborn/Paderborn/3532255-Stefanie-Schmidt-will-Gehoerlosen-Paderbornern-mehr-Teilhabe-ermoeglichen-Hilfe-fuer-Herzensprojekt-gesucht

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