Lokales Gesicht Stefanie Schmidt: Was sich eine gehörlose Paderbornerin von ihrer Stadt wünscht

Stefanie Schmidt ist seit ihrer Geburt gehörlos. Sie war trotzdem immer mit Hörenden zusammen und hat so eine Fähigkeit entwickelt, die ihr den Alltag in ihrer Heimat Paderborn enorm erleichtert: Sie kann Lippen lesen und beherrscht die deutsche Lautsprache. „Deswegen bin ich oft Ansprechpartnerin für andere Gehörlose in Paderborn. Ich bin sozusagen eine Schnittstelle zwischen hörenden und gehörlosen Paderbornern“, berichtet die zweifache Mutter.

Ehrenamtliches Engagement für mehr Barrierefreiheit in Paderborn

Nach Schmidts Einschätzung leben 400 bis 500 Gehörlose in Paderborn. Es gäbe zwar Angebote, die dazu beitrügen, dass sich gehörlose Menschen untereinander austauschen könnten. Es mangle laut der 35-Jährigen jedoch an einem Austausch mit hörenden Paderbornern.

„Viele Gehörlose brauchen im Alltag Unterstützung bei Dingen, die für Hörende ganz leicht zu erledigen sind“, weiß Stefanie Schmidt. Beispielsweise ist die Kommunikation mit Behörden eine Herausforderung für gehörlose Menschen. Das geschriebene Wort ist für sie deutlich schwerer zu verstehen. Erst vor kurzem sei Bekannten von Stefanie Schmidt der Strom abgestellt worden, da diese die eingehenden Schreiben ihres Stromanbieters nicht richtig deuten konnten. Von solchen Vorfällen könnte Schmidt stundenlang erzählen, denn immer wieder melden sich die Betroffenen dann bei ihr. Auch Feuerwehr und Polizei in Paderborn müssen besser aufgeklärt werden, auch hier weiß Schmidt von unglücklichen Begegnungen von gehörlosen Menschen mit den Beamten.

Aufklärung in der Paderborner Innenstadt nötig

„Ich habe ein großes Herz und helfe gerne weiter. Mittlerweile kann ich es alleine als Privatperson aber nicht mehr schaffen, allen zu helfen“, erzählt die Paderbornerin. Ehrenamtlich bietet sie bereits Kurse für Gebärdensprache an und dolmetscht auch in einer Fahrschule. „Es wäre schön, wenn es an allen öffentlichen Einrichtungen zumindest einen festen Ansprechpartner für Menschen mit Behinderungen geben würde.“ Nun liegt es aber nicht in Schmidts Naturell einfach nur abzuwarten und auf eine Verbesserung zu hoffen. Sie hat sich entschlossen selbst aktiv zu werden: Aktuell plant sie sich selbstständig zu machen, um den gehörlosen Menschen in Paderborn eine offizielle Anlaufstelle zu bieten, aber auch um Behörden und anderen Dienstleistern als Dolmetscherin zur Verfügung zu stehen und über Besonderheiten im Umgang mit gehörlosen Menschen aufzuklären.

Stefanie Schmidt (links) und Özlem Aktan wollen gemeinsam etwas bewegen für gehörlose Menschen. Foto: Özlem Aktan

afür hat Stefanie Schmidt sich Unterstützung geholt: Paderbornerin Özlem Aktan steht ihr seit letztem Jahr zur Seite und übernimmt Telefonate und Schriftverkehr für Schmidt. Außerdem hilft sie ihr bei der Umsetzung einer Website. Aktan hat Wirtschaftsinformatik studiert und währenddessen an der Volkshochschule Gebärdensprache gelernt. Als sie im vergangenen Jahr einen Bericht über Stefanie Schmidt laß, war ihr schnell klar, dass sie die Gehörlose unterstützen möchte: „Mit einfachen Mitteln könnte den gehörlosen Menschen der Alltag in Paderborn erheblich erleichtert werden.“. In der Innenstadt wären Gebärdenzeichen an den Schaufenstern oder eine Apotheke, deren Mitarbeiter Grundlagen der Gebärdensprache beherrschen, schon sehr viel Wert.

Ein Stammtisch der die Paderborner zusammenbringt

Stefanie Schmidt träumt aber noch von anderen barrierefreien Projekten. Am liebsten würde sie ein Café eröffnen, das komplett barrierefrei ist und in dem Menschen mit Behinderungen nicht nur willkommene Gäste sind, sondern auch arbeiten können. Einer ihrer Wünsche hat sich jüngt sogar schon erfüllt. Gemeinsam mit Aktan hat sie einen Stammtisch in Paderborn gegründet, der hörende und gehörlose Paderborner regelmäßig zusammenbringt. Özlem Aktan sieht in dem Engagement für gehörlose Menschen auch eine Chance für Paderborn, gerade weil andere Städte in puncto Barrierefreiheit bisher noch voraus sind. „Paderborn ist eine tolle Stadt, in der Steffi und ich gerne leben. Mehr für Gehörlose zu tun, wäre eine Gelegenheit für unsere Stadt, sich hervorzutun und Vorbild zu sein. Das Potenzial ist auf jeden Fall da.“

Ihr habt Lust Stefanie bei ihren Projekten zu unterstützen? Dann schaut gerne auf ihrer Facebook-Seite vorbei oder schreibt ihr unter info@steffis-dgs.de. Wenn ihr euch mit ihr oder anderen Paderbornern persönlich austauschen wollt, dann kommt doch beim neuen Stammtisch vorbei: Immer donnerstags um 19 Uhr im Kump in Paderborn.

Lena Krause (Lokalreporterin)
Quelle: https://lokalportal.de/posts/lokales-gesicht-stefanie-schmidt-was-sich-eine-gehorlose-116867

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