Paderbornerin setzt sich mit Demo für gehörlose Frauen ein

Stefanie Schmidt ist selbst gehörlos. | © Niklas Tüns

Hörbehinderte Frauen werden überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalt.

Paderborn. Das Wort „taubstumm“ mag Stefanie Schmidt überhaupt nicht. „Gehörlose sind nicht stumm“, sagt sie und ist das beste Beispiel dafür. Seit der Geburt ist die Borchenerin taub, seit Längerem setzt sie sich lautstark für Menschen mit dem gleichen Handicap ein.

Besonders laut soll es mit Megafonen am Samstagnachmittag werden. Dann will sie gemeinsam mit Mitstreitern bei einer Demo in der Innenstadt auf mangelnde Barrierefreiheit aufmerksam machen.

Rund 400 Menschen im Kreis Paderborn, schätzt Schmidt, sind gehörlos. Bei vielen alltäglichen Dingen – dem Friseurbesuch oder beim Einkaufen – würden sie vor Hürden gestellt. Noch schwerwiegender sei die Barriere bei einem bestimmten Thema, das im Fokus der Demonstration steht: Gewalt gegen Frauen. Laut dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erleben Frauen mit Hör-Schädigung drei Mal häufiger als andere Frauen Gewalt in ihrem Leben.

Besonderes Hilfetelefon für Gehörlose

„Sie werden deutlich öfter unterdrückt“, betont Schmidt. Grund hierfür seien vor allem die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums würden viele gehörlose Frauen bereits in ihrer Kindheit und Jugend Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung. „Vielleicht auch, weil die Menschen denken, wir seien dumm und sagen eh nichts“, meint die 37-Jährige.

Mit der Demo am Samstag möchte sie Bewusstsein schaffen – für das Problem, wie auch für Lösungen. So gibt es beim bundesweiten Frauen-Hilfetelefon auch ein Angebot speziell für Gehörlose. Möglich macht dies der sogenannte Tess-Relay-Dienst. „Kaum einer weiß jedoch, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Schmidt. Hörbehinderte Menschen stehen dabei per Videotelefonat in Kontakt mit einem Dolmetscher, der zum Angerufenen vermittelt. Während dieser Dienst normalerweise etwas kostet, ist er beim Hilfetelefon kostenfrei. Deren Berater geben dann auch Tipps für lokale Ansprechpartner wie Frauenhäuser.

Demo startet um 14 Uhr

Doch auch hier hakt es nach Ansicht von Stefanie Schmidt. In Paderborn fehle es tauben Frauen, die Gewalt erfahren haben, an Anlaufstellen. „Ich wünsche mir, dass dort mehr gehörlose Menschen arbeiten“, sagt sie. Dies träfe auch auf Feuerwehr und Polizei zu. Gebärdendolmetscher seien in Paderborn zudem schwer zu finden. „Wenn man Hilfe benötigt, dauert es dann schon mal drei bis vier Tage.“

Ab 11 Uhr am Samstag möchte die 37-Jährige mit den weiteren Demo-Teilnehmern ihre Erfahrungen austauschen. Treffpunkt ist die Herz-Jesu-Kirche. Von dort startet dann auch ab 14 Uhr die Demo, die vom Westerntor zum Rathausplatz und über den Liboriberg zurück zur Herz-Jesu-Kirche führt. Schmidt rechnet mit 100 bis 400 Teilnehmern. Bei Fragen ist sie unter info@steffis-dgs.de erreichbar.

Niklas Tüns
10.01.2020 | Stand 10.01.2020, 16:15 Uhr
Quelle: https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/22661006_Paderbornerin-setzt-sich-mit-Demo-fuer-Gehoerlose-ein.html

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